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Ende einer Ära

Über zwei Jahrhunderte prägte der Steinkohlebergbau das Ruhrgebiet. Die sogenannten Ewigkeitsaufgaben widmen sich in den nächsten Jahrhunderten seinen Folgen. Zu ihnen zählt das Management der Grubenwasserhaltung.

 

Zwei Jahre ist es her, dass wir an dieser Stelle über den Piloteinsatz einer von uns gefertigten mobilen Fundamentplatte am Schacht Amalie in Essen berichtet haben. Diese aus sieben Einzelteilen gefertigte, 150 Tonnen schwere Baugruppe diente – zusammen mit zwei weiteren, kleineren Baugruppen – zur Aufnahme einer ebenfalls mobilen Seilwinde. Mit dieser Konstruktion wurden temporär Pumpen unter Tage gefördert, um das auch nach der Zechenstilllegung permanent anfallende Grubenwasser zu heben und in die umliegenden Flüsse zu leiten. Aber auch bei den Folgemaßnahmen – der Verfüllung mit Beton – ist die von uns gefertigte 6.300 Millimeter lange, 5.300 Millimeter breite und 800 Millimeter dicke mobile Fundamentplatte wieder im Einsatz.

 

Im Rahmen der Ewigkeitsaufgaben wurde Thyssen Schachtbau, eine der weltweit führenden Bergbauspezialgesellschaften, mit dem Umbau der Grubenwasserhaltung für die stillgelegten Zechen im Ruhrgebiet beauftragt. Ziel der mehrere Jahrzehnte dauernden Umbaumaßnahme ist es, die Grubenwasserhaltungsstandorte auf zentrale Brunnenwasserhaltung umzustellen und von ursprünglich 13 Standorten nur noch sechs zu erhalten. Dadurch entfällt beispielsweise mittelfristig die Grubenwassereinleitung in die Emscher. Um dieses Ziel zu erreichen, wird im ersten Schritt bis 2035 sukzessive die Pumphöhe des Grubenwassers von 900 Metern auf 600 Meter angehoben, um Pump-, Wartungs- und Instandhaltungskosten zu reduzieren. Für den Bau einer dafür benötigten mobilen Fundamentplatte setzte das Unternehmen auf unsere Kompetenz in der Anfertigung großer, komplexer Schweißbaugruppen.

 

1986 endete auch die Ära der Zeche Zollverein – UNESCO Weltkulturerbe und mit Abstand berühmtestes Wahrzeichen des Ruhrgebietes. Seit ihrer Stilllegung wurden pro Jahr mit Hilfe von riesigen Pumpen rund acht Millionen Kubikmeter Grubenwasser nach oben gefördert und in die Emscher geleitet. Jetzt laufen die untertägigen Grubenwasserpumpen nicht mehr, denn statt Wasser fließt hier nun Beton. Das weiterhin anfallende Grubenwasser wird künftig unter Tage durch das Grubengebäude der Zeche Prosper-Haniel in den Rhein geleitet. Die Schächte XII und II der Zeche Zollverein werden bis Mitte 2024 mit Beton verfüllt. 40.000 Kubikmeter Beton fließen bis dahin in den 90 Jahre alten Zentralschacht XII, weitere 20.000 Kubikmeter Beton in Schacht II, den 170 Jahre alten zweiten Zugang nach unter Tage. Als Grundlage für die Verfüllung wurde in beide Schächte eine Bühne über der 14. Sohle in 1.000 Meter Tiefe eingebracht. Zudem wurden sicherheitshalber sogenannte Hüllrohre aus Glasfaserkunststoff in beiden Schächten installiert und mit Beton umgossen. Sie sollen bei einem Störfall das Abpumpen mittels Tauchpumpen ermöglichen.

 

Nach Abschluss der Verfüllung wird das berühmte Fördergerüst von Schacht XII, der Doppelbock, originalgetreu rekonstruiert. Die beiden Seilscheiben werden allerdings für immer stillstehen.

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